Geschichte

Warum Enduro?
Bernd Schmidtler (
www.schmidtler.de) ist bereits seit den ersten Anfängen der deutschen UL-Fliegerei (Erprobungsprogramm!) mit dabei und baut auch seitdem Fluggeräte. So ist es kein Zufall, dass die Enduro ein gut durchdachtes und sehr ausgereiftes Trike ist. Im Laufe der Jahre sind viele kleine Verbesserungen eingeflossen, aber an dem Konzept hat sich im Grunde nichts verändert.

Passive Sicherheit
Jeder Pilot hofft, auf den Einsatz des Gesamtrettungssystems ein Leben lang verzichten zu können, bei fast allen geht dieser Wunsch auch in Erfüllung. Die Enduros sind die einzigen Trikes mit der eingebauten Sicherheit für den Ernstfall. Bei ausgepackter Wäsche sorgt ein mehrstufiges Energieabsorptionssystem dafür, dass bei dem Aufprall die Wirbelsäule keinen Schaden nimmt. Mir ist kein anderes Trike bekannt, welches etwas ähnliches zu bieten hätte. Es sind nicht nur die mit 2500 N vorgespannten Stoßdämpfer, bei der Besichtigung kann ich gerne mehr darüber sagen.

Vieles läßt sich in schöne Worte packen, ich kenne jedoch persönlich einen Menschen, der felsenfest davon überzeugt ist, dass er einen Unfall, bei dem er sogar noch aus eigener Kraft den Flieger verlassen hat, mit keinem anderen Trike überlebt hätte.

Turmrettung
Das ist mein Lieblingsthema. Wer weiß von einem Fall, wo die Turmrettung nicht aufgegangen ist? Nun denkt mal an die sehr traurige Diskussion im letzten halben Jahrzehnt über die Raketenrettungssysteme. Im Pilots24-Forum wurde vor wenigen Wochen eine Aufstellung veröffentlicht - schaut selbst. In der Fliegerei gilt schon immer die Maxime: Keep it simple! Welch wahrer Spruch. OK, das hier angesprochene Versagen des R-Systems betrifft fast immer die Dreiachser, aber gibt es überhaupt irgendwelche stichhaltigen Argumente für den Einsatz dieses teuren und in der Vergangenheit offensichtlich nicht immer zuverlässigen Systems in einem Trike? Wo schießt die Rakete im Ernstfall denn hin? Mit etwas Pech bei Luftnot nach unten ... oder gar nicht, wie Insidern dieser Szene (bei einem Trike) leidlich bekannt ist.

Abnehmbare Tanks
Wer einmal abnehmbare Tanks hatte, mag sie nicht mehr missen. Viele kleinere Plätze haben keinen Sprit. Also einen Tank aushängen, den Rest in den zweiten entleeren und einen Kameraden um Hilfe bitten. Die nächste Tankstelle ist meist nicht weit. Die Tanks fassen rund 65 Liter - von München nach Berlin ist also mit der BMW-Enduro vom Sprit her keine Herausforderung. (Wenn der Wind will ... ;-)

Motor-Getriebe-Einheit
Bei der Enduro hat man auf eine Fliehkraftkupplung verzichtet und das gesparte Gewicht in eine motorseitige Schwungmasse und 2 Hardy-Dämpfer investiert, welche die Drehmomentspitzen des Zweizylinders wirkungsvoll entschärfen. Das Getriebe wird diese Maßnahme mit einer seeehr langen Lebensdauer danken. Was nutzt eine Fliehkraftkupplung, wie bei einigen anderen BMW-Trikes, wenn sie nur beim Leerlauf eine eventuelle Geräuschbildung durch Torsionsschwingungen im Motor-Getriebe-Propeller-System abmildert, welche jedoch kaum Energie in sich trägt? Aber wenn beide Drosselklappen voll geöffnet das höchste Drehmoment der beiden Dampfhämmer entfesseln, dann nutzt eine Fliehkraftkupplung wenig, denn jetzt überträgt das Getriebe die höchste Last. Nun sorgen bei der Enduro die zusätzliche Schwungmasse und die beiden Schwinungsdämpfer für einen besonders “runden” Lauf und dem Getriebe fallen nicht die Zähne aus ....
 

Im September 2004 war es endlich soweit: eine neue Enduro steht flugfertig in Griesau (EDPG), zwar noch ohne Verkleidung aber das tat der Freude keinen Abbruch. Leider macht der Platz Ende Oktober zu, sodaß es eigentlich erst so richtig im Mai 2005 losging.

Anfangs wurde auf Grund der noch ausstehenden Lärmmessung zunächst mit VVZ geflogen, inzwischen ist die Zulassung natürlich abgeschlossen. Der Flieger stand immer aufgebaut im Hangar (inzwischen in Landshut, EDML).

Der Motor war bei Auslieferung nicht neu, er stammt gut eingefahren aus einem Motorrad mit knapp 20 000 KM. Eigentlich ist der Vierventiler von BMW alles andere als ultraleicht, ein 582er mit 64 PS würde auch reichen. Dieser braucht aber bei der gleichen Reisegeschwindigkeit (95 kM/h) rund 6 Liter pro Stunde mehr und ist auch so ein Mehfaches teurer. Und für das BMW-Triebwerk gibt es weltweit Ersatzteile zu sehr vernünftigen Preisen.

Die Wartung beschränkt sich auf Öl-, Filter- und Zündkerzenwechsel, auch das Einstellen der Ventile ist keine Zauberei. Vergaservereisung kann bei einem Einspritzer nicht vorkommen, kennfeldgesteuerte Motorparameter und Lambdaregelung gehören heute einfach zum Stand der Technik. Die Schmidtlers haben mehrere Trikes für wissenschaftliche Meßzwecke ausgeliefert, welche für den Betrieb entsprechend schwer mit Meßinstrumenten beladen werden. Eines der Trikes wird weltweit an wechselnden Standorten eingesetzt und hatte bereits vor 2 Jahren 400 problemlose Stunden auf der Uhr.

Der Funk funktioniert super, da haben der Jörg Fichtner (Flytronic) und der Andreas Schmidtler ganze Arbeit geleistet. Die Reichweite ist gigantisch, die Sprachverständigung in beide Richtungen hervorragend (das ist eigentlich eher Trike-untypisch - oder?). Die Helme sind zur Zeit beide ohne Visier, welches aber jederzeit nachgerüstet werden kann. Auch ohne Visier wird die Sprache 1a übertragen. Die Windgeräusche werden von einem zweiten Mikro auf der Luvseite aufgenommen und elektronisch von der Sprache subtrahiert - feine Sache!

Das Fluggerät ist mit einem Knickmast ausgerüstet, die Fläche kann bei Windstille  sogar von einer einzelnen Person in wenigen Minuten abgenommen werden (kann vorgeführt werden).

Dass Air Creation ein Hersteller ist, der absolute Topqualität liefert, ist in der Szene unbestritten. Auch nach 1000 Flugstunden besteht das Tuch noch problemlos eine JNP. Der iXess-Flügel gehört aktuell zu den schnellen Flächen, ohne dass die Langsamflugeigenschaften darunter leiden. Ich bin bisher immer mit der schnellen Trimmeinstellunung geflogen. Man kann ihn noch 2 Stufen langsamer trimmen, was laut Hersteller ca 5 bis 6 kM/h pro Stufe ausmachen soll. Während des Fluges läßt sich mit einem Handrad am rechten Trapezrohr der Flügel langsamer einstellen. Dabei wird der S-Schlag des Profils erhöht (Basis wandert nach vorne), indem mit den Lufflines das Achterliek hochgezogen wird. Mit dem Schmidtler’schen Trimmsystem kann die Fläche im Flug jederzeit schneller gemacht werden ... auch das habe ich nie benötigt, die Kiste ist auch so schon schnell genug und die Steuerkräfte um die Querachse sind so, dass man auch ohne Trimmeinrichtung dauerhaft etwas schneller fliegen kann.

Mit einer geringeren Reisegeschwindigkeit wäre der Verbrauch dann gleich deutlich (!) niedriger, denn die erforderliche Motorleistung ist proportional zu der Geschwindigkeit hoch 3! Beispiel: Beschleunigt ein Flieger von 80 auf 90 kM/h, dann steigt rein rechnerisch die dazu erforderliche Motorleistung um 42%, der Verbrauch pro Stunde ebenfalls (der Verbrauch auf 100 kM steigt natürlich nicht so stark an - man braucht ja nicht mehr so lange für die Strecke, aber in der Fliegerei wird nun mal der Verbrauch pro Flugstunde angegeben). Liebe Flieger, nicht irre machen lassen mit Verbrauchsangaben, fragt lieber noch mal genau nach, bei welcher Geschwindigkeit diese ermittelt wurden. Was ich aber eigentlich sagen will: der von mir angegebene (ehrliche) Verbrauch ist kein schicksalhafter Fixpunkt, wer nur etwas langsamer fliegt, wird mit einem viel niedrigeren Verbrauch belohnt. Aber das angebotene Trike ist ideal für längere Ausflüge und Reisen mit Gepäck, da ist Speed halt sehr willkommen ...


Und warum wird dieser schöne Flieger verkauft?
Ausschließlich aus persönlichen Gründen, an der Enduro hängt es gewiss nicht. Ich bin selbständig und zeitlich halt ziemlich unflexibel, d.h. ich sehe meinen Flieger leider viel zu selten (siehe Gesamtflugdauer: in 4 Jahren 140 h ...). Der Flugplatz ist eine Autostunde (95 kM) weit weg und wer die Flugplatzsituation rund um München in den letzten 10 Jahren verfolgt hat weiß, dass sich daran auch so schnell nichts ändert - im Gegenteil! Hinzu kommt, dass sich bei mir die nahezu grenzenlose Begeisterung für die Fliegerei aus den Anfangstagen inzwischen doch etwas gelegt hat.

Als ich zum Erstellen dieser Seiten die Fotos durchgesehen habe ... ja es schmerzt! Zu viele großartige Erlebnisse, sehr viele gute Erinnerungen, der Stolz fliegen zu können, Landschaften von oben betrachten, Fliegerurlaube in Namibia und 2 Mal in Südafrika (mit gecharterten Maschinen), wer je in Afrika eine Herde Tiere im Tiefflug überrascht hat, der weiß was das an Emotionen auslöst ... so ringe ich bereits über ein Jahr mit mir und der Fliegerei. Aber über Winter ist nun die Entscheidung gereift - inzwischen kann ich die Maschine hergeben, auch wenn mit schwerem Herzen. Und ich will nicht zocken, der Preis ist ein Schnäppchen (aktueller Neupreis in der angebotenen Konfiguration: deutlich über € 30 000,- ! Näheres bitte bei www.schmidtler.de erfragen.)

 

[Home] [Übersicht] [Geschichte] [Bilder] [Kontakt] [Links]